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A 64 Feierabendstau:
Politik auf dem Rücken der Pendler/innen
09.12.2009
Eigentlich müsste es doch im Sinne grüner Politik sein, wenn Straßen zurückgebaut werden. Der tägliche Feierabendstau auf der A 64 Richtung Ehrang, welche aus Sicherheitsgründen bei der letztjährigen Sanierung zu einem einspurigen Nadelöhr wurde, sollte daher ein Fest für grüne Verkehrspolitiker/innen sein, denkt möglicherweise die gemeine Autofahrerin oder Autofahrer.
Grüne heben den Zeigefinger und erklären wortreich, dass sie es sowieso immer gewusst haben, dass der Kollaps naht und kein Weg am Umstieg auf Öffentliche Verkehrsmittel vorbeigeht für die Umwelt, für die Verkehrssicherheit und für die Zukunft unseres Planeten.
Tatsächlich hört man jedoch nichts dergleichen von uns. In Wirklichkeit ist dieses Nadelöhr nämlich auch ein Ärgernis für uns, Bündnis 90/Die Grünen.
Dafür gibt es drei Gründe:
1. Mitnichten fahren nur Autos oder LKW auf der A 64, sondern auch ein gut besetzer Pendlerbus, nämlich die Linie 116 Luxemburg – Longuich – Schweich. Die Fahrgäste dieses Busses sitzen genauso im Stau wie alle anderen.
2. Äußerungen des Landrats zeigen, dass hier Politik auf dem Rücken der Pendler/innen gemacht wird. Landrat Schartz fordert zwar wortreich ein Ende dieses Nadelöhrs und lässt den Kreisausschuss mit dem Thema befassen. Im gleichen Atemzug betrachtet er Abhilfe schaffende Maßnahmen für die Engstelle auf der A 64 jedoch allenfalls als Zwischenlösung für die s. E. nach dringend benötigte Nordumfahrung, besser bekannt als Meulenwaldautobahn.
3. Für Pendler/innen westlich der Mosel wird sich die Anbindung an den ÖPNV auf deutscher Seite mittelfristig verbessern. Im Rheinland-Pfalz-Takt 2015 ist die Reaktivierung der Westmoseltrasse für den Schienenpersonennahverkehr fest eingeplant. Das Ampelbündnis aus Bündnis 90/Die Grünen, SPD und FDP will bis dahin wenigstens einen Bahnhaltepunkt an der Strecke realisieren.
Die Meulenwaldautobahn, das Projekt einer direkten Verbindung der A 64 mit der A 1 bei Föhren wird hartnäckig von CDU, FDP und der Trier-Saarburger SPD (und auch der Landesregierung) verfolgt. Zehn bis fünfzehn Jahre würde es aufgrund der Finanzlage dauern, meint der Landrat. Davon abgesehen, dass die Politik der schwarz-gelben Regierung nicht dazu geeignet ist, die Finanzlage der öffentlichen Hand zu verbessern, werden wir Bündnisgrüne dieses monströse Vorhaben zu verhindern wissen. Schon einmal wurde die Realisierung einer solchen Verbindung gerichtlich gestoppt. Während meiner Bundestagskandidatur habe ich zu einer Begehung des Meulenwalds geladen, bei der wir die Bürger/innen über den nun von der Industrie- und Handelskammer (IHK) ins Gespräch gebrachten Verlauf der jetzt in Nordumfahrung umgetauften Trasse informierten. Denn tatsächlich existiert von dieser Trasse allenfalls eine Bleistiftzeichnung der IHK – eine Planung der Behörden gibt es nicht. Der IHK-Vorschlag umfasst auf einem kurzen Teilstück drei Brücken und zwei Tunnel für eine Autobahn, die parallel zur jetzigen A 602 auf der anderen Moselseite verlaufen würde.
Es ist ein Unding, dass Pendler/innen hier offenbar als Faustpfand herhalten sollen, um die Notwendigkeit dieses Monsterprojekts herzuleiten. Sind die CDU, SPD und FDP-Politiker/innen erst dann zufrieden, wenn nach dem Moselufer auch der Meulenwald zubetoniert ist?
Der Vorschlag, mittels von Wechselspuren die Verkehrssituation an der Dicken Buche zu entschärfen, erscheint uns vernünftig. Damit würden morgens Richtung Luxemburg zwei Fahrspuren zur Verfügung stehen, abends zwei Fahrspuren in der Gegenrichtung. Dies ist eine Lösung, die ganz ohne den Neubau von Straßen auskommt und rasch Abhilfe für das Problem schafft.
Sascha Gottschalk
Sprecher Kreisverband Trier-Saarburg
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